London.

London calling. Die Beatles, Punks und die Queen. Das Royale und Moderne, unterschiedlicher und konträrer kann eine Stadt wohl nicht sein. Und genau so ist es. London ist meine Stadt, die niemals schläft. Die Stadt, in der es so viel zu entdecken gibt, dass die Zeit, egal wie lang sie ist, niemals ausreicht. Die Stadt, die vor Leben nur so strotzt. Die Stadt, die kulinarisch so viel mehr zu bieten hat als Baked Beans. Die Stadt, die mein Herz gefangen hat.

London.

Ich war schon sehr oft in dieser Stadt, aber noch nie mit einem solchen Genuss wie gerade eben. Jetzt, wo ich mit einem anderen Blickwinkel reise, möchte ich London auch abseits der großen Sights spüren. Das Lebensgefühl, die Freude an Neuem leitet mich zu neuen Vierteln, die so viel Charme versprühen, dass man am liebsten sofort herziehen möchte. Und nachdem wir diesmal auch ein paar mehr Tage zur Verfügung haben, werden wir London bis ins kleinste Eck erleben.

Die Reise beginnt sehr früh, was jedoch zum Vorteil hat, dass wir auch früh in London ankommen und somit gleich am ersten Tag etwas unternehmen können.

Nachdem wir unser Gepäck im The Pilgrm hinterlegt hatten, machten wir uns sofort auf, die umliegenden Viertel um Paddington zu erkunden. Da der Bahnhof und auch unser Hotel sehr günstig liegen, war unser erstes Ziel Little Venice.

Es gibt tatsächlich ein kleines Venedig in London. Mit Kanälen und Hausbooten und bunten Lichterketten. Richtig nett. Und da wir gleich ein bisschen das Flair aufsaugen wollten, machten wir einen kurzen Halt beim Waterside Café. Torte am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.

Oder so.

Nachdem man so nett am Kanal entlang flanieren kann und es der Wettergott gut mit uns gemeint hat, machten wir uns auf nach Notting Hill, um in die Fußstapfen von Julia Roberts zu steigen. Also in die spätere Version von ihr. Nicht die Prostituierte. So schnell bekommt man einen Stempel aufgedrückt.

Da der berühmte Portobello Market sonntags nicht geöffnet war, bewunderten wir einfach die bunten Häuserreihen auf der Portobello Road und, wie ich finde, vor allem in der Denbigh Terrace (!) und machten uns auf, unseren ersten G&T zu trinken.

Gin Tonic. Falls sich hier keine Ginsperts Experten für Gin befinden.

Und er war herrlich. Wir waren im The Distillery Ginstitute, wo man auch Kurse machen kann. War zwar auch zu, aber die Bar war geöffnet. Und das war gut so.

Ginliebe in London.

Gut gestärkt und nach kurzer Koffer-ins-Zimmer-bring-Aktion machten wir uns auf zu Marble Arch. Eigentlich nur so nebenbei, aber es war schön. Wir mussten  nämlich umsteigen, weil wir unbedingt noch zum Camden Market wollten.

Als wir von der Underground auf die Straße kamen, traf uns fast der Schlag. Aber im positiven Sinn. Punks. Mehr kann ich dazu fast nicht sagen. Ich hab noch nie davor so viele Punks auf einem Haufen gesehen. Und Tattoo Shops. Und Punkgeschäfte. Camden Town ist eindeutig ein alternatives Viertel. Jetzt wissen wir das also auch.

Und wir lieben es.

Nachdem wir uns einen Weg durch die Menschenmaßen gebahnt, und wir die unglaublichen Häuserfronten bewundert haben, kamen wir endlich beim Camden Street Market an. Der Himmel für all diejenigen, die Street Food Markets lieben.

Mich zum Beispiel.

Und das ganze spielt sich noch dazu in alten Docks und ehemaligen Pferdeställen direkt am Wasser ab. Abgesehen von der Location selbst sind die Standln einfach der Wahnsinn. Von Vintage Vinyls über Fish and Chips bis hin zu einer Micro Gin Distillery und Local Craft Beer ist alles vertreten. Liebe liebe liebe es und mag jetzt schon offiziell nicht mehr nach Hause.

Nachdem die Food Trucks ihre Pforten schlossen, machten wir uns auf nach Primrose Hill, einem kleinen Hügel gleich in der Nähe von Camden Town, wo man einen tollen Ausblick über die Skyline von London haben soll. Und den hatten wir.

Unser Heimweg führte uns über den Regent’s Park – der übrigens wahnsinnig groß und schön ist (Anmerkung der Redaktion: hier befindet sich auch der London Zoo) – hin zur Baker Street. Wo Sherlock Holmes seine Runden drehte. Aber wir haben ihn leider nicht gesehen.

Paddington Bär übrigens auch nicht.

Der nächste Morgen brachte uns neben einem famosen – oder einfach superguten – Frühstück auch noch Sonne. Und ganz viel Vorfreude auf das, was an diesem Tag geplant war.

Covent Garden, Chinatown, Trafalgar Square, Westminster Abbey, Big Ben, Tower Bridge. Und wieder Chinatown. Aber eins nach dem anderen.

Wir machten uns auf in das wunderschöne Covent Garden. Genauer gesagt zu Neal’s Yard, einem versteckten Innenhof, wo Monty Python geboren wurde. Also nicht im Innenhof, sondern in einem der Häuser selbstverständlich.

Und es war so wunderschön. So bunt und hippiemäßig. Einfach nur toll. Und da wir so früh dort waren, war außer uns so gut wie niemand dort. That‘s what I like most.

Gleich neben Covent Garden erstreckt sich über zwei Straßen London‘s Chinatown. So richtig mit Eingangstor und chinesischen Lampions und zweisprachigen Straßenschildern. Mit einer Vielzahl an verschiedenen Restaurants und Bars, wo wir unbedingt nochmal zum Dim Sum Essen herkommen mussten.

Weiter geht die Reise. Über den Piccadilly Circus zum Trafalgar Square vorbei an Westminster Abbey. Bis wir endlich Big Ben sahen.

Und er hat sich für uns in Schale geworfen. Obwohl gar nicht mehr Fasching ist. Man munkelt auch, dass er gerade restauriert wird. Aber ich glaub eher an die Verkleidungsfreude des Uhrenturmes. Damit komm ich besser zurecht. #bigbenlove

Ein kleines Stück weiter, in Southbank, liegt der Leake Street Tunnel. Dieser Tunnel, der sich in der Leake Street befindet (wo auch sonst), wahrscheinlich besser bekannt als Graffiti Tunnel, ist ein richtiger Augenschmaus. Dort dürfen Graffitikünstler ganz offiziell sprayen. Man kann Ihnen auch bei der Arbeit zusehen, was richtig cool ist. Wieder so ein Punkt, wo man sieht, wie unglaublich schön konträr diese Stadt ist. Und was es nicht noch alles abseits der Touristenpfade zu entdecken gibt.

Southbank, also das Viertel südlich der Themse, bietet außer The Shard (Anmerkung: großes, spitzes Gebäude, wo man einen super Ausblick auf alles hat und wo man einen hervorragenden Afternoon Tea erleben kann; dazu aber später mehr) noch so viel mehr. Einige sehr gute Street Food Markets befinden sich hier. Und wenn man noch südlicher fährt, findet man sich auf einmal in Jamaica den jamaikanischen Viertel Brixton wieder. Ich liebe es.

Da wir zufällig vorbei kamen, machten wir kurz Halt beim Borough Market. Der aber zu hatte, was aber gar nichts machte. Wir machten eine kurze Pause bei einem Bier in einem typischen Pub und stellten uns danach, wie überall üblich, bei Applebee‘s Fish an, um ein legendäres Fishwrap zu ergattern.

Dieses blöde Fishwrap war so unfassbar gut, dass ich jetzt noch davon träume. Prinzipiell war das Essen IMMER sehr gut. Nicht wie allseits erwähnt, dass englisches Essen immer schlecht ist. Ihr eigenes natürlich schon, aber in Punkto internationaler Küche und heimischer Fusionküche kann London eindeutig und ganz klar mit New York mithalten.

Nachdem wir schon so nahe an der Tower Bridge waren, haben wir beschlossen, auch dort noch hin zu gehen. Und von der London Bridge aus am südlichen Ufer der Themse entlang zu gehen, war sicher die bessere Entscheidung. Viel schönerer Blick, viel weniger Menschen. Möwen. Wie schön kann eine Brücke eigentlich sein. 395 Fotos später gingen wir über die Tower Bridge zum nördlichen Ufer, um mit einem Passionfruit Spritz auf das Royal Baby anzustoßen.

 

Entlang der Themse kann man ziemlich gut spazieren, da fast durchgehend der Themse Walking Path verläuft. Taten wir. Bis wir bei St.Paul‘s Cathedral ankamen. Um dann mal wieder in Richtung Covent Garden und Chinatown zu gehen. Die Dim Sums riefen bereits nach uns. Und wir wollten sie natürlich nicht warten lassen. Das wäre nicht die britische Art. Ganz und gar nicht.

In Chinatown angekommen suchten wir uns ein Restaurant aus, dinierten und verließen es in Windeseile. Aber nicht, weil es schlecht war, sondern weil alles einfach so schnell ging. I would like to have Dim Sums. Dim Sums come. Eat. Here is the bill. So auf die Art. Aber dafür geht dieses Restaurant in die Geschichte der Schnellrestaurants ein. Und wir hatten noch Zeit, um in eine japanische Bar – Ichibuns – zu gehen. Und japanisch-englische Cocktails zu trinken. Arigatou!

Am nächsten Morgen mussten wir früh aus den Federn, weil eine weitere Attraktion auf uns wartete.

 

Sky Garden. Also eigentlich ein Frühstück im Sky Garden. Muss mich schon wieder korrigieren. Ein Espresso und ein Nutellakrapfen, auf Einweggeschirr. Muss nicht sein. Aber der Ausblick war herrlich. Und die Location selbst ist schon ein Hingucker. Wie das Palmenhaus, nur weit oben in einem Hochhaus mit sehr schönem Ausblick. Da das Frühstück, wie man eventuell gemerkt hat, nicht so berauschend war, machten wir uns auf den Weg nach Shoreditch.

Shoreditch. Oder auch Heimat der Hipster genannt, hat sehr viel zu bieten. Da gibt es die bekannte Brick Lane, im bangalesischen Viertel gelegen, mit ihrer Street Art Szene. Und außerdem gibt es Beigel Bake. Mit DEM Salted Beef Bagel. Der uns als zweites Frühstück diente. Weil ja das erste nicht so toll war.

Nachdem wir fertig gespeist hatten, machten wir uns auf den Weg nach Jamaica. Also Brixton mein ich natürlich. Und nach kurzem Suchen fanden wir auch schon unser Ziel. Pop Brixton. Ein unglaublich genialer Street Food Market. Alte Container, die kreuz und quer übereinander stehen und der internationalen Street Food Szene dienen. Und nachdem wir schon so früh dort waren, hatten wir ihn fast ganz für uns alleine. Sonne, Gin Tonic und gutes Essen. Mehr braucht man wirklich nicht. Und wir mussten uns schon auf unser heutiges Vorhaben am Abend einstellen.

Einen Besuch bei der Beefeater Gin Distillery.

Ganz verliebt von diesem tollen Ort und wehmütig, warum Wien eigentlich sowas nicht hat, gingen wir weiter. Und freuten uns schon unheimlich auf die Tour. Also die Verkostung. Und konnten sogar schon früher hinein. Offensichtlich interessieren sich nicht allzu viele Menschen dafür.

Aber es war echt toll. Und wir haben erfahren, dass die komplette Produktion von Beefeater in dieser Destillerie und von nur 14 (!) Menschen gemacht wird.

OMG.

Nach einem sehr guten Gin Tonic und vielen Hintergrundinformationen später machten wir uns schon wieder auf zu einem Food Market. Ist mir schon richtig unangenehm, wie viel wir gegessen haben. Aber es war alles einfach wirklich gut. Wir könnten nicht anders.

Diesmal wurde es der sogenannte Mercato Metropolitano. Kein Mensch weiß, warum er eine italienische Bezeichnung hat, aber er war sehr schön und das Essen war wahnsinnig gut. Ein riesiges Angebot an Essen aus der ganzen Welt, an Craft Beer aus der Umgebung und sogar ein Wutzeltisch war da. Und ein sehr schöner Innenhof zum Sitzen und Genießen. Die Gegend rundherum war nicht so schön, dafür war der Name umso besser. Elephant and Castle. Klingt doch irgendwie lieb.

Der nächste Tag brachte vor allem eins.

Regen.

Und noch mehr Regen.

Aber da wir gut ausgerüstet waren, war alles nur halb so schlimm. Wir machten uns auf zur Oxford Street, um mir meine heiß ersehnten Doc Martens zu kaufen. Was soll ich sagen, ich liebe sie. Wir haben uns gefunden und geben uns nicht mehr her.

Nach einem kurzen Stopp im Hotel, eigentlich nur, damit ich meine Schuhe umziehen konnte, ging es weiter zum Borough Market. Da das Wetter auf einmal aufgelockert hat und tatsächlich wieder mal die Sonne rausgekommen ist, mussten wir die Chance nutzen, um einen weiteren Markt aufzusuchen.

Den Borough Market. Wär ja sonst kein richtiger Tag in London.

Und dieser Markt ist einfach toll. Neben sehr gutem Essen (natürlich!) gibt es eine Vielzahl an Delikatessen zu ergattern. Von Austern über Paella und Spirituosengeschäften ist alles vertreten. Ein buntes Treiben, wo man sowas von Lust bekommt, täglich seine Einkäufe zu erledigen. Dafür müsste man halt in London leben. Und reich sein.

Nachdem wir uns wieder mal mit einem Fishwrap begnügten, wollten wir den Tag in Camden Town ausklingen lassen. Mitbringsel mussten nämlich auch noch besorgt werden. Und es gibt fast keinen besseren Ort, als dort. Was sich reimt, das stimmt; sagt man doch.

Wir hatten so ein Glück, dass wir in einem der bekanntesten Fish und Chips Restaurants London spontan einen Tisch bekommen haben. Poppie’s Fish and Chips. Ein klassisches, eigentlich amerikanisches Diner im Stil der 1950er Jahre. Mit unglaublich guten Fish and Chips. Mit Essig zum Selbstmarinieren. Sehr sehr g’schmackig war das. Englisches Essen kann ja doch auch gut sein.

Der letzte Tag bricht an. Die Hoffnung, dass ich mich vertan hab und noch ein paar Tage länger bleiben darf, begleitet mich, als ich freudig aus dem Bett hüpfe. Ich fühle mich schon so heimisch, dass ich mir schon einbilde, da wirklich zu wohnen. Und immer, wenn ich daran denke, am Abend noch den Koffer zu packen, kommt ganz viel Wehmut auf. London hat mein Herz erobert.

Unser Tag beginnt mit einem veganem Frühstück in der Farmacy. Keine richtige Apotheke, aber ein sehr fancy Restaurant.

Nach einem hervorragenden Avocadotoast und ein paar Pancakes später, gingen wir ein letztes Mal über die Portobello Road zum Kensington Palace. Dorthin, wo Prinz William und die Kate wohnen. Nachdem wir sie aber nicht gesehen haben, sind wir über Kensington weiter gegangen in Richtung The Shard. Diesem spitzen Hochhaus, was anscheinend einer Scherbe ähneln soll. Mit dem Vergleich kann ich zwar nichts anfangen, aber ich bin ja auch kein Architekt. Dort, im Scherbenhaus, hat man nämlich die Möglichkeit, einen Afternoon Tea zu buchen. Mit Blick über London, in einem sehr renommierten asiatischen Restaurant. Dem Ting.

Und es war der Wahnsinn.

Wir hatten vorerst schon Angst, nicht eingelassen zu werden. Aber meine Docs wurden akzeptiert. Zum Glück.

Man glaubt ja, dass so ein Afternoon Tea wie unsere Kaffeejause ist. Halt nur mit Tee. Aber es ist sowas von anders. So edel und schön. Mit ganz vielen tollen Sachen zu essen. Mit Sandwiches in vielen verschiedenen Variationen. Mit Scones mit Erdbeermarmelade und Clotted Cream. Und mit kleinen Petit Fours. Und natürlich Tee. Und permanent wird nachgelegt. Man ist irgendwie nie fertig. Und wenn man das Gefühl hat, immer aufessen zu müssen (ich), dann hat man bald ein Platzproblem. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Sehr zu empfehlen auf jeden Fall. Etwas ganz Spezielles und Besonderes. Genau richtig, um dem letzten Tag das gewisse Extra zu verleihen. Damit man sich immer daran erinnert. Und sich mehr und mehr in London zu verlieben.

Leider ist der letzte Tag viel zu schnell vergangen. Aber es war bestimmt nicht das letzte Mal. Bis bald, coolste Stadt überhaupt.

Und God save the Queen. Bevor ich’s vergess.

 

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