Lissabon. Amor à primeira vista.

Endlich ist es soweit. Der lang ersehnte große Urlaub steht vor der Tür. Also nicht direkt vor der Tür. Bin eigentlich schon durchgegangen und inmitten dieser wunderschönen Stadt. Lissabon. Ich hab mich sofort in dieses Juwel am Tejo verliebt. Schon am Weg vom Flughafen zu unserem Apartment. Obwohl da schon eeeeinige Plattenbauten waren. Und das nicht so schön ist. ABER nicht mal das hat meine Verliebtheit getrübt. Arg.

In unserem Viertel angekommen – im wunderschönen, alten Chiado – haben wir unser Apartment bezogen und waren ganz hin und weg. Schon die Rezeption des Ex Libris hätt ich einpacken und mit nach Hause nehmen können. Sehr zu empfehlen. Hat alles, was man so braucht. Und ist wunderschön. Und sauber. Und hat schnelles WLAN. Und eine Kaffeemaschine.

Und ist teuer. Leider. Aber dafür greif ich gern mal ein bissl tiefer ins Geldbörserl.

Die letzten Sonnenstrahlen des Tages ausnützend haben wir uns gleich einen kleinen Rundumblick von unserem Viertel verschafft. Und sind zu dem Schluss gekommen, dass Flip Flops auf glatten Kopfsteinpflaster eher zu den schlechteren Entscheidungen des heutigen Tages gezählt haben. Es ist teilweise nämlich etwas steil. Also so richtig steil. So, dass man aus Flip Flops rausrutscht und es peinlich wird. Weil’s so hügelig ist. Aber nichtsdestotrotz (eines meiner Lieblingswörter) haben wir uns an den schönen Häuserfassaden, mit den vielen kleinen Kacheln, ergötzt erfreut, sind an einigen Padarias (wunderschöne Bäckereien mit noch wunderschöneren süßen Sachen) vorbei geschlendert und haben uns ein kleines, nettes Lokal  fürs Abendessen gesucht.

Sinal Vermehlo. Ein kleines, portugiesisches Lokal mit echt authentischen Flair. In einer kleinen Seitengasse unseres Apartments, umrahmt von einem Jazzsänger (sehr idyllisch), platziert neben zwei unglaublich unfreundlichen anderen Touristen (nicht so idyllisch). Tische sind da halt etwas enger beinander. Die haben uns einen Blick geschenkt – puh. Hab schon ein richtig schlechtes Gewissen gehabt, dass ich jetzt was essen möchte.

Aber – nichtsdestotrotz (Lieblingswort) – hat das Essen sehr gut geschmeckt. Hab mich gleich an der Spezialität Bacalhao probiert. Der berühmte, in Salz eingelegte Stockfisch. Mit echt witzigen Beilagen. Ein Stöcklkraut zum Beispiel. Also so ähnlich wie Stöcklkraut. Hat aber echt gut zusammen gepasst. Und als Couvert einen echt guten Käse. Queijo da Serra. Mmmmmmmmh.

Der nächste Tag war unser erster richtiger Tag in Lissabon. Also so von früh bis spät. Und nachdem sich unser Rhythmus noch nicht ganz an portugiesische Rhythmen angepasst hat, waren wir natürlich schon echt früh munter. Und wollten ja eigentlich noch im Supermarkt was einkaufen. Fürs Frühstück. Da der aber leider erst viel später aufmacht als hierzulande, hat leider ein kleines Pastel de Nata dran glauben müssen. Okay zwei. Und ein Croissant. Und es war herrlich. So ein kleines gutes Ding. Eigentlich nur Blätterteig mit Puddingfüllung. So einfach. Und soooo gut.

Lissabon zu Fuß ist ein richtiges Highlight. Erstens sieht man die ganzen schönen Fassaden viel besser als wenn man U-Bahn fährt – haha – und man tut seinen Venen was Gutes. Also das muss man jetzt echt mal sagen an der Stelle. Fuß Hut ab. Die alten Lisboetas müssen echt gute Füße haben. Wie viele Stufen die in ihrem Leben schon raufgegangen sind – Wahnsinn.

Und man kann die schönen, idyllischen, Straßenbahnen bewundern. Und sich vorstellen, wie es ist, mit so einer Straßenbahn zu fahren. Sind nämlich immer mehr als voll. Wir nehmen uns also vor, mal mit der allerersten 28er zu fahren, um auch einen heiß ersehnten Sitzplatz zu ergattern.  Steht auf der To-Do-Liste.

Einige Stufen und viele Hügel später sind wir beim Castelo de Sao Jorge angekommen, wo uns Touristenscharen empfangen haben. Irgendwie steh ich’s mir nicht so auf so Massen. Und Touristen schon gar nicht. Also sind wir nur durch die engen Gassen gewandert, haben die Häuser bewundert und sind zu guter Letzt mit einem Elevador ein paar Hügel runter gefahren. Ja, es gibt einige Aufzüge. So auf der Straße. Nur, wenn man keine Straße sozusagen entlang gehen möchte. Toll. Ich liebe Lissabon.

Nachdem uns ein kleiner, feiner Regenschauer überrascht hat, sind wir – eigentlich auf der Suche nach einer bestimmten Tapas Bar – auf ein anderes Lokal gestoßen, in das wir uns sofort verliebt haben. Grapes and Bites. Wie der Name schon verrät, gibt es hier Wein. Viel Wein. Es ist sozusagen eine Weinbar. Leicht überfordert von der Weinkarte haben wir uns letztendlich einen Weißwein empfehlen lassen. Dazu ein unglaublich guter Oktopus-Salat, Käse mit Thymian und Kürbismarmelade und gegrillte, mit Käse gefüllte Pfefferoni. Da der Kellner seinem Job echt gut verstanden und uns sehr zum Wein trinken animiert hat, haben wir uns durch einige inländische Weine gekostet und einen wirklich schönen Abend verbracht.

Mittwoch in Lissabon. Regen. Von in der Früh weg. Was macht man da am besten? Ausflug. Genau.

Wir fahren nach Sintra. Mit dem Zug. Die Stadt mit den vielen Palästen, die inmitten des fast schon Dschungels erbaut wurden und offenbar sehr schön sein sollen. Ja, sollte. Wir haben nämlich dank des Regens nicht sehr viel davon gesehen. Es war nicht die beste Idee bei strömenden Regen so eine Tour zu machen. Eigentlich sind wir nur im Bus ein bisschen herumgefahren. Nur, dass wir nicht nass werden. Weil so spektakulär haben wir Sintra leider nicht wahrgenommen. Es wäre sicher schön, wenn man sich erstens für Burgen, Schlösser und Paläste richtig interessiert und zweitens die Touristen einfach nicht dort wären. Menschen nerven manchmal schon sehr. Überhaupt Pensionistenreisegruppen. Dafür hab ich den Wald sehr schön gefunden. So grün und dschungelig. Mit Lianen. Wie in den Tropen. Ahja, noch was. Das erste, was man als Ankommender am Bahnhof von Sintra sieht, ist ein chinesisches Restaurant. Und ned amoi a Schenes. #touristfail

Ein bisschen wehmütig haben wir uns wieder auf den Heimweg nach Lissabon gemacht. Da wir natürlich den falschen Zug genommen haben, weil wir keine halbe Stunde im Regen warten wollten, mussten wir auch noch in die Metro umsteigen. Hört sich einfacher an als es ist. Portugiesen schreiben offensichtlich bei Ihren Zugplänen Umsteigemöglichkeiten an, obwohl Zug und U-Bahn 1 km auseinander liegen und nicht direkt miteinander verbunden sind. Nerv.

Die schirchen unattraktiven Plattenbauten Großwohnsiedlungen von Lissabon hinter uns lassend sind wir endlich wieder in unserem schönen Viertel angekommen, wo wir jede Hausfassade, jede sympathische Ecke in uns aufnehmen und glücklich sind, wieder im wunderschönen Chiado zu sein.

Donnerstag in Lissabon. Wieder Regen. Aber da müssen wir durch, denn heute steht endlich Straßenbahn fahren am Programm. Richtig gehört. Wir freuen uns aufs Straßenbahn fahren. Muss man unbedingt machen, wenn man mal in Lissabon ist. Und weil’s auf unserer To-Do-Liste steht. Die kleinen, süßen, alten, gelben Straßenbahnen sind ein sehr begehrtes Fortbewegungsmittel, weshalb man am besten schon sehr zeitig dran ist. Weil wenn man nicht früh genug da ist, muss man stehen. Und das ist bei dem Geruckel und dem Auf und Ab fahren nicht so lustig.

Also sind wir einmal in die eine Richtung, und einmal in die andere Richtung gefahren. Endstation zu Endstation sozusagen. Bim Bim. War sehr cool, weil man so auch mal andere Flecken der Stadt gesehen hat. Mal schönere, mal nicht so schöne, wodurch wir wieder mal zu dem Entschluss gekommen sind, dass wir in einem der schönen Viertel wohnen.

Ausgestiegen bei der Endstation Prazeres haben wir versucht, wieder den Weg zurück zu finden. Waren nämlich doch schon wieder recht weit draußen. Durch Zufall sind wir in einen tropischen Park mit ganz vielen komischen Enten gekommen – dem Jardim de Estrela. Gleich gegenüber der Basilica. Wie zwei kleine Indianer haben wir die Straßenbahnschienen zurück verfolgt, sind dann einmal steil rechts abgebogen und wie durch Zufall beim Museu da Farmacia vorbei gekommen. Witzig. Sachen gibt’s. Weil wir ja soviel Zeit haben, sind wir gleich mal reingegangen. Berufskrankheit. Auch im Urlaub.

Beim weiteren Durchschlendern durch die Gassen Lissabons sind wir noch auf eine sehr coole Markthalle gestoßen. Mercado da Ribeira – Time Out Market.

Frieda fühlt sich wohl.

Eine Markthalle, die lauter Restaurants und Tapas Bars und kleine Lokale beherbergt, wo man nach Herzenslaune schlemmen und gustieren und probieren kann. Herrlich. Alles in kleinen Portionen. Dass man ganz viel isst. Ein Schinken da und ein Bacalhau dort, dann noch ein Meeresfrüchtesupperl.

Sehr zu empfehlen. SEHR. SEEEEEHR.

Schweren Herzens haben wir uns danach auf den Weg nach Belém gemacht. Wieder mit dem Zug. Um ein Kloster anzuschauen. Und einen Turm.

Hat mich nur mäßig begeistert. Und windig war’s auch. #touristfail

Aber eigentlich waren das Kloster und der Turm eh ganz schön. Ich mag nur so Touristenaufläufe nicht. Aufläufe sind nur zum Essen gut. Alles andere ist unnötig.

Wieder daheim in Chiado, nachdem uns ein unglaublich arger Regenguss erwischt hat (wir befinden uns gerade offenbar in einem Tiefdruckgebiet – ich rolle wieder theatralisch mit den Augen, weil ich Regen über alles hasse), haben wir uns aufgemacht, um wieder mal etwas Essen zu gehen. Und diesmal hat es unbedingt eine Cataplana de Mariscó sein müssen.

Wurde es aber nicht. Hrmpf.

Das einzige Lokal, wo ich nach gefühlten 3 Stunden, nachdem ich gefragt habe, ob sie das auf der Karte haben, eine Antwort bekommen habe (obwohl es dann eigentlich gar nicht auf der Karte gestanden hat und der Koch € 40 haben wollte – pff), sind wir wieder von dannen gezogen und haben uns in eine Tapas-Bar begeben, wo wir letztendlich sehr glücklich und sehr voll geworden sind. Tapas Petiscos sind halt doch was Feines. Eigentlich dürfte es in Portugal dann ja gar nicht Tapas-Bar heißen. Wenn sie doch drauf bestehen, dass ihre Tapas Petiscos heißen. Hmm. Die Petiscos-Bar war auf jeden Fall sehr zu empfehlen. Bar 28. Merken.

Freitag in Lissabon. Unser letzter Tag. Und zur Abwechslung mal kein Regen. Da wir im Grunde schon alles gesehen haben, wollten wir uns mal einen schönen Ausblick über die Stadt gönnen. Da der bei uns nahe gelegene Elevador de Santa Justa ein Touristenmagnet ist, was eine Schlange von wartenden Menschen bedeutet, haben wir uns kurzerhand umentschieden, um einem Geheimtipp zu folgen. Das – Achtung – Amoreiras Shoppingcenter. Ja, ein Einkaufszentrum im Nirgendwo, was aber eine sehr schöne Aussichtsplattform haben soll, wo man einen 360° Grad Ausblick hat.

Wieder mal das Wörtchen soll.

Wir haben es zwar geschafft, mit dem richtigen Bus zu diesem komischen Einkaufszentrum zu fahren, sind dann aber genau dann hingekommen, als der Aufzug beschlossen hat, Mittagspause zu machen. Zwei Stunden. Der Aufzug zu dieser Plattform war zwei Stunden zu.

Also haben wir zwei Stunden gewartet.

UND DANN IST DER AUFZUG AUSSER BETRIEB.

Grantig. Puuuuuh. Wir waren grantig. Also alles umsonst. Das Hinfahren, das Warten. Genervt und frustriert, dass nix an unserem letzten Tag in Lissabon hinhaut und alles nur noch #touristfails sind, sind wir wieder mal weiter gezogen und haben uns auf den Weg in die LX Factory gemacht. Auch so ein Hipstertreff. Anscheinend. Also, wenn man dem Internet so glauben kann.

Nach gefühlten fünf Tagen Wanderung durch fünf Bezirke über fünf Hügel und fünf Täler sind wir endlich angekommen. Und es hat sich gelohnt. Ein cooles, hippes und sehr modernes Areal, was meiner Meinung sehr an unsere Arena erinnert. Also so vom Stil her. Design trifft auf nette Lokale, kreative Shops und irgendwo im Hintergrund war auch noch ein kleines Festival. War echt nett dort.

Zum Glück.

Alles in allem finde ich, dass Lissabon unbedingt einen Besuch wert ist. Man braucht gute Schuhe und eine noch bessere Kondition, um die hügelige Stadt am Tejo gut zu erklimmen, aber man wird mit sehr gutem Essen, noch besserem Wein und dem allerbesten Weichsellikör der Welt belohnt. Einfach durch die Straßen schlendern. Dort, wo es einem gefällt, einfach stehen bleiben, und auch mal den Reiseführer aus der Hand legen. Nicht alles, was groß beworben wird, ist auch wirklich gut. Zum Abschluss unseres Besuchs in Lissabon stimmen wir uns jetzt noch mit einem Glaserl Sangria auf die morgige Reise nach Barcelona ein und lassen ein letztes Mal den Blick über die Dächer Lissabons schweifen.

One thought on “Lissabon. Amor à primeira vista.

  1. Angelika says:

    Ein paar mal begeistert und schmunzelnd gelesen, was für schöne, ehrliche Worte Eures Kurztrips in diese wundervolle Stadt !
    Genießt das Leben!
    Mama Angelika 😉

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